Die 1. Säule – Grundlage zur Existenzsicherung schaffen

Die 1. Säule – Grundlage zur Existenzsicherung schaffen
23. August 2021
Das Wichtigste im Überblick
  • Die 1. Säule ist Grundlage des gesamten Schweizer Vorsorgesystems.

  • AHV und IV werden durch ein Umlageverfahren nach dem Solidarprinzip finanziert.

  • 2021 beträgt die ordentliche AHV-Vollrente mindestens CHF 1’195  und maximal CHF 2’390.

  • Ihre AHV-Rente hängt massgeblich von Ihren Beitragsjahren und Ihrem  durchschnittlichen Jahreseinkommen ab.

  • Vermeiden Sie Beitragslücken.

  • Rentenvorbezug oder -aufschub wirken sich auf Ihre AHV-Rente aus.

Wie ist die 1. Säule aufgebaut?

Die 1. Säule ist Grundlage des gesamten Schweizer Vorsorgesystems. Ihr Sinn und Zweck ist es, den notwendigen Existenzbedarf im Alter zu decken. Dafür wird sie in weitere Bestandteile gegliedert: 

  • Alters- und Hinterlassenenversicherung – kurz AHV 
  • Invalidenversicherung – kurz IV
  • Erwerbsersatzordnung – kurz EO
  • Ergänzungsleistungen – kurz EL

Die Beitragssätze der 1. Säule im Überblick

AHV
IV

Beitragssatz

8,7 %

1,4 %

AHV

Die sogenannte Alters- und Hinterlassenenversicherung bildet die obligatorische Grundlage für die Schweizer Altersvorsorge und betrifft grundsätzlich alle Personen, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben.

Wer ist beitragspflichtig?

Alle erwerbstätigen Personen sind ab dem 1. Januar nach ihrem 17. Geburtstag beitragspflichtig. Die Beitragspflicht endet mit der Aufgabe der Erwerbstätigkeit oder ab dem Erreichen des ordentlichen Pensionsalters. Dieses beträgt aktuell bei Frauen 64 Jahre und bei Männern 65 Jahre.

Die zu leistenden Beiträge werden jeweils zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Ihr Arbeitgeber kümmert sich um die Überweisung der Beiträge an die jeweilige Ausgleichskasse.

Was leisten die Ausgleichskassen?

Die Verwaltung der AHV ist dezentral organisiert, weshalb jedes Kanton über eine eigene Ausgleichskasse verfügt. Die Ausgleichskassen sind für die Verwaltung und Abwicklung der Leistungen der 1. Säule verantwortlich.

Dort können Sie einen individuellen Kontoauszug (IK) kostenlos beantragen. Dieser gibt Ihnen Auskunft darüber, wie hoch Ihre AHV-Rente nach aktuellem Stand sein wird und ob Ihnen Beitragsjahre fehlen.

Invalidenversicherung

Selbst angegebenes Ziel der Invalidenversicherung ist die Minderung der wirtschaftlichen Folgen einer erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigung. Sie betrifft Personen, die zu mindestens 40% aus gesundheitlichen Gründen nicht in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können.Die IV handelt stets nach dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente». Deshalb zahlt sie auch nicht nur Renten aus, sondern fördert zusätzlich verschiedene Eingliederungsmassnahmen wie die Finanzierung von Hilfsmitteln.

Ergänzungsleistungen

Es kommt aus verschiedenen Gründen vor, dass AHV und IV im Alter nicht ausreichen, um die minimalen Lebenskosten der Pensionierten zu decken. Dann ist zu prüfen, ob Sie Anspruch auf die sogenannten Ergänzungsleistungen haben. Diese jährlichen Ergänzungsleistungen entsprechen der Differenz zwischen den anerkannten Ausgaben und den Einnahmen, die Ihnen angerechnet werden können.

Häufige Gründe für die Notwendigkeit von Ergänzungsleistungen:

  • Lange Arbeitslosigkeit im Arbeitsalter und damit zu geringe Einzahlungen in die drei Säulen
  • Heimkosten übersteigen die finanziellen Möglichkeiten von Pensionierten
  • Überraschend hohe Pflegebedürftigkeit durch gesundheitliche Vorfälle

Weiterhin werden auch der Erwerbsersatz während des Militärdienstes, des Zivildienstes und des Schutzdienstes im Rahmen der Erwerbsersatzordnung sowie der Erwerbsersatz bei Mutterschaft zur 1. Säule gezählt.

Wie wird die 1. Säule finanziert?

AHV und IV werden durch ein Umlageverfahren nach dem Solidarprinzip finanziert. Das Solidarprinzip besagt, dass Sie als aktuell aktiver Arbeitnehmer die Rente der aktuellen Rentenbezieher finanzieren. Das bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, dass die derzeit arbeitenden Versicherten Beiträge in die AHV einzahlen. Diese werden dann an die aktuellen Rentner, Hinterbliebene und Invaliden ausbezahlt. Gehen diese – aktuell arbeitenden – Versicherten in der Zukunft dann in Ruhestand, so soll die nächste Generation von Beitragszahlern für die Rente dieser aufkommen. 

Ergänzungsleistungen werden hingegen ausschliesslich durch Steuergelder von Bund und Kantonen finanziert.

Was leistet die AHV?

Das Pensionsalter naht und Sie fragen sich, mit welchen AHV-Beiträgen Sie rechnen können? Nach aktuellem Stand (2021) beträgt die ordentliche Vollrente im Rahmen der 1. Säule mindestens CHF 1’195  und maximal CHF 2’390.

Voraussetzungen für Maximalrente
Voraussetzung Minimalrente

Sie haben ab dem 21. Altersjahr bis zum ordentlichen Rentenalter lückenlos AHV-Beiträge bezahlt.

Sie hatten ein massgebendes Durchschnittseinkommen von mindestens CHF 86'040.

Sie haben ab dem 21. Altersjahr bis zum ordentlichen Rentenalter lückenlos AHV-Beiträge bezahlt.

Sie hatten ein massgebendes Durchschnittseinkommen von mindestens CHF 14’340.

Sie sollten sich in jedem Fall dessen bewusst sein, dass die AHV-Rente explizit beantragt werden muss und nicht automatisch ausgezahlt wird. Ihren Antrag sollten Sie spätestens drei bis vier Monate vor dem gewünschten erstmaligen Rentenbezug stellen, da die staatliche Prüfung in der Regel einige Zeit in Anspruch nimmt.

Zur Auszahlung Ihrer AHV-Rente stehen Ihnen folgende Auszahlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Auszahlung als regelmässige Rente im Ruhestand
  • Kapitalbezug, das heisst einmalige Auszahlung des gesamten angesparten Kapitals
  • Mischform von Rentenbezug und Kapitalbezug

Die jeweiligen Vor- und Nachteile der verschiedenen Auszahlungsmöglichkeiten sehen Sie in der Tabelle.

Rentenbezug
Kapitalbezug

Vorteile

Hohe Zinsgarantie im Umwandlungssatz

Garantierte, regelmässige Auszahlung 

Lebenslange Auszahlung 

Vorsorgeeinrichtung kümmert sich um die Geldanlage

Keine Spekulationsmöglichkeit mit dem Geld 

Pensionierten-Kinderrente von 20% der Altersrente

Ehegatte erhält bis zum Tod Ehegattenrente

Finanzielle Flexibilität

Das Geld geht im Todesfall nicht «verloren», sondern kann vererbt werden.

Möglichkeit, bessere Renditen zu erzielen

Nachteile

Ehegattenrente beträgt nur 60% der Altersrente.

Keine Rückgewähr: bei Tod nach dem Rentenbeginn ist das Geld «verloren».

Eigenverantwortliche Anlage

Kein regelmässiges Einkommen

Ungewissheit bezüglich Lebenserwartung und des damit verbundenen Kapitalbedarfs

Neben der klassischen Altersrente leistet die AHV im Todesfall auch Hinterlassenenrenten. Diese beinhalten insbesondere die Witwen-, Witwer-, Halbwaisen- und Waisenrenten.

Zudem fallen die Leistungen der Hilflosenentschädigung auch in den Aufgabenbereich der AHV. Hilflose Personen sind dabei Personen, die auf die Hilfe von Dritten angewiesen sind und dauernde Pflege oder persönliche Überwachung benötigen. Haben sie aus verschiedenen Gründen keinen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung der obligatorischen Unfallversicherung oder auf eine vergleichbare Leistung einer Sozialversicherung, so können sie Hilflosenentschädigung beantragen. Für die Bemessung der Hilflosenentschädigung sind Einkommen und Vermögen unerheblich, relevant ist dafür lediglich der Grad der Hilflosigkeit.

Wie berechnet sich Ihre AHV-Rente?

Für eine fundierte Altersvorsorge ist es von hoher Relevanz, dass Sie sich darüber im Klaren sind, wie hoch Ihre AHV-Rente voraussichtlich sein wird und welche Faktoren darauf einwirken. Folgende drei Faktoren sind dabei die wichtigsten:

  1. Ihre anrechenbaren Beitragsjahre, also die Beitragsdauer, für die Sie in die AHV einbezahlt haben.
  2. Ihr durchschnittliches Jahreseinkommen. Damit sind die Einkommen gemeint, auf die Beiträge gezahlt worden sind.
  3. Gegebenenfalls können Ihnen Erziehungs- und Betreuungsgutschriften angerechnet werden. Das trifft auf Personen zu, die während ihrer beitragspflichtigen Lebensphase Kinder unter 16 Jahren betreut haben. Gleiches gilt für Betreuungsgutschriften bei der Pflege von Verwandten.

Grundsätzlich ist die Berechnung Ihrer AHV-Rente ein recht komplexes Unterfangen. Am einfachsten gelangen Sie an eine verlässliche Auskunft, indem Sie eine Rentenvorausberechnung bei der Ausgleichskasse beantragen. Dafür wenden Sie sich an die Ausgleichskasse, an die für Sie zuletzt Beiträge bezahlt wurden. Für Personen ab dem 40. Lebensjahr ist eine Rentenvorausberechnung alle fünf Jahre kostenlos.

Beitragsdauer und -lücken

Vor allem die Beitragsdauer ist bei der Berechnung Ihrer AHV-Rente massgebend, da Beitragslücken zu signifikanten Kürzungen der Rente führen. Die vollständige Beitragsdauer bei Männern beträgt 44 Jahre und bei Frauen 43 Jahre.

Eine Beitragslücke liegt vor, wenn zwischen dem 20. Lebensjahr und der Pensionierung ein Jahr oder mehr nicht in die AHV eingezahlt wurde. Gängige Gründe für solche Lücken sind ein Studium, eine Erwerbstätigkeit im Ausland, temporäre Arbeitslosigkeit oder Unfall und Krankheit. Ihre entstandenen Beitragslücken können Sie durch Nachzahlung ausgleichen. Allerdings muss eine solche Nachzahlung innerhalb von fünf Jahren erfolgen, da eine spätere Nachzahlung nicht akzeptiert wird.

Sie sollten sich dessen bewusst sein, dass Beitragslücken zu erheblichen Minderungen der AHV-Rente im Alter führen. Ein fehlendes Beitragsjahr führt bereits zu einer Kürzung der Rente um mindestens 2,3%.

Was bedeutet ein Rentenvorbezug oder -aufschub für Ihre AHV-Rente?

Vorbezug

Möchten Sie früher als zum regulären Pensionsalter in Pension gehen, können Sie die AHV-Rente auf Antrag ein oder zwei Jahre vorher beziehen. Damit können Frauen frühestens mit 62 Jahren und Männer mit 63 Jahren AHV-Renten beziehen.

Sie sollten sich jedoch dessen bewusst sein, dass ein Vorbezug der AHV mit Kürzungen einher geht:

→ Ein Jahr Vorbezug führt zu einer Rentenkürzung um 6,8%.

→ Zwei Jahre Vorbezug führen zu einer Rentenkürzung um 13,6%.

Damit hängt die finanzielle Rentabilität des Vorbezugs von Ihrer Lebenserwartung ab. Der Vorbezug lohnt sich vor allem für Rentner, die von einer kürzeren Lebenserwartung als durchschnittlich ausgehen. 

Beispiel

Eine alleinstehende Frühpensionärin bezieht ihre Rente mit 62 statt mit 64. Deshalb wird ihre Rente um 13,6% gekürzt. Wenn sie Anrecht auf die Maximalrente hat, erhält sie jährlich lediglich CHF 24'780 statt CHF 28'680.

Aufschub

Sollten Sie nach Erreichen Ihres Pensionsalters noch keine AHV-Rente beziehen wollen, steht Ihnen die Option eines Aufschubs zur Verfügung. Dabei verzichten Sie während der Dauer des Aufschubs auf den Bezug Ihrer Rente. 

Nach Erreichen des Pensionsalters muss die zuständige AHV-Zweigstelle über den Wunsch des Aufschubs informiert werden, indem Sie eine Aufschuberklärung einreichen. Der Aufschub muss mindestens zwölf Monate und kann höchstens fünf Jahre betragen. Hierbei ist es jedoch wichtig zu wissen, dass Sie spätestens bis ein Jahr nach Entstehung des ordentlichen Rentenanspruchs den Aufschub geltend machen müssen. Gleichzeitig werden auch zugehörige Kinderrenten aufgeschoben. Innerhalb der Aufschubdauer kann die Rente nach freier Wahl abgerufen werden, Sie müssen sich also nicht im Voraus auf eine feste Aufschubdauer festlegen.

Die logische Folge des Rentenaufschubs ist eine höhere lebenslange Rente. Je nach Aufschubdauer ergibt sich ein Zuschlag auf den Rentenbetrag zwischen 5,2% und 31,5%.  Die Rentabilität des AHV-Aufschubs hängt ähnlich wie beim Vorbezug insbesondere von Ihrer Restlebenserwartung und zusätzlich noch von Ihrer Steuersituation ab.

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Beispiel

Die AHV-Rente eines Mannes, der den Bezug bis 70 hinausschiebt, fällt 31,5% höher aus, als wenn er die erste Rente mit 65 bezieht.

Wann haben Sie Anspruch auf Ergänzungsleistungen?

Befinden Sie sich in der prekären Situation, dass Rente und Einkommen nicht Ihre minimalen Lebenskosten decken, können Sie prüfen, ob Sie Anspruch auf Ergänzungsleistungen haben. Dafür stellt die AHV ein kostenloses Berechnungstool zur Verfügung.

Folgende Voraussetzungen sollten Sie aber in jedem Fall erfüllen:

  • Sie sind Bürgerin/Bürger der Schweiz
  • Sie haben sowohl Ihren Wohnsitz als auch Ihren tatsächlichen Aufenthalt in der Schweiz
  • Sie haben einen gültigen Anspruch auf Rente der AHV
  • Ihr Vermögen beträgt nicht mehr als CHF 100’000 (alleinstehende Person) oder CHF 200’000 (Ehepaar)

Die Ergänzungsleistungen ergeben sich aus der Differenz zwischen den anerkannten Ausgaben und den Einnahmen, die angerechnet werden können. Dazu gibt es zahlreiche Regelungen, am besten lassen Sie sich in den kantonalen EL-Stellen beraten. Diese sind in der Regel in den kantonalen Ausgleichskassen ansässig. Was zu diesen Kenngrössen beispielsweise gezählt werden kann, können Sie folgender Tabelle entnehmen:

Anerkannte Ausgaben
Anerkanntes Einkommen

Berufsauslagen bis zur Höhe des Bruttoerwerbseinkommens

Kosten für den Unterhalt von Gebäuden und Hypothekarzinsen bis zur Höhe des Bruttoertrags der Liegenschaft

Beitrag für die obligatorische Krankenversicherung

Renten der AHV/IV

Vermögenseinkünfte wie Zinsen, Miete, Untermiete

familienrechtliche Unterhaltsbeiträge wie Alimente

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