Die 2. Säule – Vorsorgen und Lebensrisiken absichern

Die 2. Säule – Vorsorgen und Lebensrisiken absichern
23. August 2021
Das Wichtigste im Überblick
  • Die 2. Säule setzt sich aus den betrieblichen Pensionskassen und der gesetzlichen Unfallversicherung (UVG) zusammen.

  • Sie zahlen direkt für sich selbst in Form von Lohnabzügen ein.

  • Bei Jobwechsel und Arbeitslosigkeit greift das Freizügigkeitsgesetz.

  • Ihr Pensionskassenguthaben können Sie entweder als Rente oder als Kapitalbezug erhalten.

  • Sie können auch freiwillig mehr in die Pensionskasse einzahlen.

Die 2. Säule des Schweizer Rentensystems baut auf der AHV auf und setzt sich aus den betrieblichen Pensionskassen und der gesetzlichen Unfallversicherung (UVG) zusammen. Die Pensionskassen verwalten die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, kurz “BVG”. Massgeblicher Unterschied zur 1. Säule ist die Tatsache, dass Sie direkt für sich selbst in Form von Lohnabzügen einzahlen. Gemeinsam mit der AHV soll die Pensionskasse Ihnen bei der Pensionierung ca. 60 % des letzten Lohnes einbringen. 

Ihre berufliche Vorsorge wird durch ein Kapitaldeckungsverfahren finanziert. Das bedeutet, Sie zahlen in eine von Ihrem Arbeitgeber festgelegte Pensionskasse ein. Diese legt Ihr angesammeltes Kapital an bis Sie pensionieren und zahlt Ihnen dieses dann wieder aus.

Wer ist in der 2. Säule versichert?
  • Jeder AHV-pflichtige Arbeitnehmende ab 17 Jahren, der mindestens CHF 21’510 verdient.

  • Selbständigerwerbende sind nicht obligatorisch versichert. Sie können sich aber freiwillig versichern.

Was ist für Arbeitnehmer wichtig zu wissen?

Im Alter zwischen 17 und 24 Jahren sind AHV-pflichtige Arbeitnehmer mit einem höheren  Jahresgehalt als CHF 21’510 von den Pensionskassen gegen Tod und Invalidität abgesichert. Ab dem 25. Lebensjahr werden dann auch Beiträge für die Altersrente angespart.

Die Beiträge für die Pensionskassen werden jeweils zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt. In manchen Fällen leistet der Arbeitgeber freiwillig auch mehr als die Hälfte der Beiträge. Die korrekte Abwicklung und Verwaltung des Versicherungsschutzes ist Aufgabe des Arbeitgebers.

Durch diese Beiträge sparen Sie über die Jahre auf Ihrem individuellen Konto Kapital an – Ihr sogenanntes Altersguthaben. Das Altersguthaben bildet die Bemessungsgrundlage für die spätere jährliche Altersrente und die Berechnung der weiteren Leistungen der BVG. 

Die Rente aus den Pensionskassen wird als Anteil aus Ihrem Altersguthaben mit Hilfe eines gewissen Prozentsatzes, dem sogenannten Umwandlungssatz, berechnet. Mit welchem Umwandlungssatz Ihre Rente im Pensionsalter berechnet wird, hängt von der durchschnittlichen Höhe Ihrer Jahreslöhne ab: 

Das Gesetz schreibt vor, dass auf Jahreslöhne bis zur Höhe von CHF 21’510 - 86’040 der selbe Umwandlungssatz von derzeit 6,8 %  angewandt wird – das ist der obligatorische Teil der BVG. 

Der überobligatorische Teil der Pensionskassen betrifft Jahreslöhne, die über der genannten Einkommensgrenze liegen. Hier kann der Umwandlungssatz auch geringer sein. 

Jobwechsel und Freizügigkeitsgesetz

Wechseln Sie Ihren Arbeitgeber, erfolgt in der Regel auch ein Wechsel der Pensionskasse. Das Freizügigkeitsgesetz regelt in diesem Zusammenhang, dass Sie als Arbeitnehmer dadurch keine Verluste erleiden sollen. Die Freizügigkeitsleistung – auch Austrittsleistung genannt – ist das vorhandene Altersguthaben, das Ihnen beim Austritt aus der Pensionskasse zusteht. 

Angespartes BVG-Altersguthaben wird von der aktuellen Pensionskasse an die des neuen Arbeitgebers überwiesen. Treten Sie nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht sofort einer neuen Pensionskasse bei, sind Sie bei Ihrer bisherigen Pensionskasse für die Risiken Tod und Invalidität für noch maximal einen Monat versichert. Hinsichtlich Ihrer Altersvorsorge sollten Sie jedoch tätig werden, da hier ansonsten Deckungslücken entstehen. Um diesen vorzubeugen, können Sie freiwillige BVG-Altersgutschriften in Ihre Pensionskasse einzahlen.

Was passiert mit Ihren Einzahlungen, wenn Sie einmal arbeitslos sind?

Die Freizügigkeitsleistungen werden auf ein Konto bei einer Freizügigkeitsstiftung eingezahlt, falls Sie nicht sofort eine neue Arbeitsstelle antreten und eine neue Pensionskasse angegeben wird. Alternativ kann das Guthaben auch auf eine Freizügigkeitspolice bei einer Lebensversicherungsgesellschaft einbezahlt werden.

Worüber gibt Ihnen der Pensionskassenausweis Auskunft?

Welche Leistungen Ihnen aus der Pensionskasse zustehen, können Sie regelmässig aus dem Pensionskassenausweis, auch Vorsorgeausweis genannt, entnehmen. Dieser enthält unter anderem Informationen über folgende Aspekte:

  • Ihr aktuelles Altersguthaben
  • Die voraussichtlichen Leistungen bei Frühpensionierung
  • Risikoleistungen bei Tod oder Invalidität
  • Mögliche Vorbezüge zur Wohneigentumsfinanzierung

Das Lesen Ihres Pensionskassenausweises ist wichtig, um herauszufinden wo Ihre Vorsorge Lücken aufweist und wo sie optimiert werden kann.

Wie können Sie Ihre Leistungen beziehen?

Ihr Altersguthaben können Sie entweder klassisch als Altersrente oder als Kapitalleistung beziehen. Eine weitere Alternative bietet der Vorbezug der Leistungen. Welche Alternative für Sie die attraktivste ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie bspw. den Steuern, Ihrer gewünschten Flexibilität oder dem gewünschten Hinterbliebenenschutz.

Das sind die wichtigsten Unterschiede

Rente oder Kapital?

Rentenbezug
Kapitalbezug

Sicherheit des Einkommens

Lebenslang garantiertes Einkommen

Abhängig von der Anlagestrategie

Höhe des Einkommens

Abhängig vom Umwandlungssatz der Pensionskasse

Abhängig von der Anlagestrategie

Flexibilität

Fixe Rente pro Monat

Frei planbare Kapitalentnahmen

Teuerungsausgleich

Abhängig von der Pensionskasse, i.d.R. kein vollständiger Ausgleich der Teuerung

Teuerungsausgleich je nach Wahl der Kapitalanlagen gewährleistet (z. B. durch höhere Zinserträge)

Steuern

Rente zu 100 % als Einkommen steuerbar

Einmalige Besteuerung zum Zeitpunkt des Kapitalbezugs (getrennt vom übrigen Einkommen), danach Kapital als Vermögen und Kapitalerträge als Einkommen steuerbar

Monatlicher Rentenbezug

Die monatliche Altersrente wird mit Hilfe des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestumwandlungssatzes berechnet. Sie ergibt sich aus dem Produkt von Mindestumwandlungssatz und Altersguthaben. 

Für die obligatorischen Guthaben liegt der gesetzliche Mindestumwandlungssatz heute bei 6,8%.2 Bei einem Guthaben von CHF 700'000 resultiert eine jährliche Rente von CHF 47'600 Franken, das sind CHF 3'966 im Monat.3

Da Frauen heute noch mit 64 Jahren und Männer mit 65 das ordentliche Pensionierungsalter erreichen, wenden einige Pensionskassen unterschiedliche Umwandlungssätze an. 

Kapitalbezug

Auf Anfrage ist die Pensionskasse dazu verpflichtet, Ihnen ein Viertel Ihres Altersguthabens als Kapitalabfindung auszuzahlen. Die Vorsorgeeinrichtung kann anstelle der Rente eine Kapitalabfindung ausrichten, wenn die Alters- oder Invalidenrente weniger als 10%, die Witwen- oder Witwerrente weniger als 6% und die Waisenrente weniger als 2% der Mindestaltersrente der AHV beträgt. 

Vorbezug

Die Altersvorsorgeleistung kann vor dem Erreichen des ordentlichen Rentenalters bezogen werden, jedoch frühestens ab dem 58. Lebensjahr. Ein Vorbezug Ihrer Pensionskassenleistungen ist allerdings nur möglich, wenn das Reglement der Vorsorgeeinrichtung das vorsieht.

Sie sollten sich jedoch dessen bewusst sein, dass reduzierte Altersrenten die Folge Ihres Vorbezugs sind. Als Faustregel ist mit einer Kürzung zwischen 5% und 8% pro Vorbezugsjahr zu rechnen.

Was bedeutet die freiwillige Vorsorge in der zweiten Säule?

In die freiwillige 3. Säule des Schweizer Rentensystems können Ledige im Jahr 2021 maximal CHF 6’883 einzahlen. Die 2. Säule bietet den Vorteil, dass bei ihr eine solche gesetzliche Obergrenze nicht existiert und Sie weiterhin steuerlich profitieren. Deshalb können die meisten Arbeitnehmer deutlich mehr Geld in die 2. Säule einzahlen als in die 3.. Wie viel genau hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie bspw. Ihrem Alter, Ihrem Pensionskassenguthaben etc. Am einfachsten entnehmen Sie Ihre aktuelle Eizahlungslimits Ihrem aktuellen Pensionskassenausweis.

Allerdings sollten Sie bedenken, dass Sie im Rahmen der 2. Säule meist keine Möglichkeit haben, Ihre Anlageform selbst zu bestimmen – das obliegt dem Stiftungsrat Ihrer jeweiligen Pensionskasse.

Gut zu wissen

Auch Selbstständige und Arbeitnehmende mit einem befristeten Arbeitsvertrag von höchstens drei Monaten haben die Möglichkeit im Rahmen der 2. Säule für Ihr Alter vorzusorgen. Sie können sich freiwillig bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG versichern.

Quellen

  1. https://www.ahv-iv.ch/de/Sozialversicherungen/Weitere-Sozialversicherungen/Berufliche-Vorsorge-BV
  2. https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/glossar/umwandlungssatz.html#:~:text=Der%20Mindestumwandlungssatz%20schreibt%20vor%2C%20wie,betr%C3%A4gt%20er%206%2C8%20Prozent.
  3. https://www.vermoegenszentrum.ch/ratgeber/wissensbeitrage/privatkunden/pensionierung-planen/acht-wichtige-fragen-zum-rentenumwandlungssatz.html
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