Optimal vorsorgen – Was gilt es bei der Altersvorsorge zu beachten?

Optimal vorsorgen – Was gilt es bei der Altersvorsorge zu beachten?
23. August 2021
Das Wichtigste im Überblick
  • Der demografische Wandel und steigende Lebenshaltungskosten sind nur zwei von vielen Gründen warum Altersvorsorge wichtiger denn je ist.

  • Seien Sie gründlich bei der Berechnung Ihrer Vorsorgelücke.

  • Das Deutsche Rentensystem basiert auf dem 3-Schichten-System.

  • Die private Altersvorsorge ist besonders für Frauen wichtig.

  • Es kann zwischen klassischen und fondsgebundenen Rentenversicherungen unterschieden werden.

Altersvorsorge ist wichtiger denn je 

Was versteht man unter der Rentenlücke?

Wissen Sie, wie hoch Ihre Rentenlücke ist? Die Kluft zwischen Ihrem finanziellen Bedarf im Rentenalter und der zu erwartenden Rente wächst. Darum ist es wichtig, sich frühzeitig um die Altersvorsorge zu kümmern. Aufgrund von steigenden Lebenshaltungskosten, Inflation und einem sinkenden Rentenniveau wird die sogenannte Rentenlücke immer grösser. Ein heute 40-Jähriger wird nicht die gleiche Rente erhalten wie ein heute 67-Jähriger. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle.

Das sinkende Rentenniveau

Das Rentenniveau ist das Verhältnis von gesetzlicher Rente zum Durchschnittseinkommen eines Jahres. Lag das Rentenniveau im Jahr 2005 noch bei 52,6%, so liegt es aktuell nur bei 47,5% (Stand: 2021). Das heißt, die gesetzliche Rente liegt bei 47,5% des Durchschnittseinkommens im Jahr 2021. Die Bundesregierung plant das Rentenniveau bis 2030 auf unter 43% abzusenken. 

Steigende Lebenshaltungskosten

Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten aufgrund von Inflation. 

Hat man pro Monat 1.500 € zur Verfügung, wird man sich in Zukunft aufgrund steigender Preise weniger von dem Geld leisten können als heute.

Unterschied zwischen letztem Einkommen und Rente

Die gesetzliche Rente fällt geringer aus als das letzte Netto-Gehalt, welches man als Erwerbstätiger verdient. Bei der einfachen Berechnung der Rentenlücke wird meistens die Differenz zwischen dem letzten Gehalt und der gesetzlichen Rente betrachtet.

Steigender Steuersatz für Rentner

Auch Rentner zahlen Steuern auf ihre Einnahmen. Der steuerpflichtige Rentenanteil steigt jedes Jahr. Im Jahr 2005 mussten Rentner nur 50% ihres Einkommens versteuern. Bis 2040 soll der steuerpflichtige Rentenanteil auf 100% ansteigen.

Die Rentenlücke wird meistens sehr vereinfacht als Differenz zwischen dem letzten Netto-Gehalt als Erwerbstätiger und der Rente angegeben. Tatsächlich spielen auch andere Faktoren eine Rolle bei der Berechnung der effektiven Rentenlücke. Denn es geht um den gewohnten Lebensstandard. Diesen können viele Menschen nach dem Renteneintritt nicht halten, wenn sie kein Geld gespart haben. 

Wie berechnet man die persönliche Rentenlücke? 

Die einfache Formel Rentenlücke = letztes Netto-Gehalt – Rente liefert kein aussagekräftiges Resultat, da eine solche Berechnung von einigen Faktoren verzerrt wird. Deshalb sollte man in die Berechnung der Rentenlücke folgende Dinge einbeziehen:

  • Die zu erwartende gesetzlichen Rente 
  • Weitere Einnahmequellen (private Altersvorsorge, betriebliche Altersvorsorge, Mieteinnahmen, Auszahlungen aus Sparplänen etc.) 
  • Der persönliche Steuersatz, dervom Renteneintrittsjahr abhängig ist 
  • Die steigende Lebenserwartung (Langlebigkeitsrisiko)
  • Dynamische Änderungen im Rentensystem (z. B. Renteneintrittsalter)
  • Der Wertverlust aufgrund von Inflation (angenommene Inflationsrate 2% pro Jahr)
  • Die zu erwartenden Lebenshaltungskosten nach Renteneintritt

Seien Sie gründlich bei der Berechnung der Rentenlücke. Machen Sie sich auch konkret Gedanken über die Ausgaben, mit denen Sie nach Renteneintritt rechnen. Je genauer Sie zu erwartende Einnahmen und Ausgaben kennen, desto besser können Sie die private Altersvorsorge auf Ihre Bedürfnisse ausrichten.

Welche Formen der Altersvorsorge gibt es?

Das deutsche Rentensystem basiert auf drei Schichten: der gesetzlichen Basisvorsorge, der staatlich geförderten Vorsorge und der privaten Altersvorsorge.

Das deutsche Rentensystem basiert auf drei Schichten: der gesetzlichen Basisvorsorge, der staatlich geförderten Vorsorge und der privaten Altersvorsorge.
Das deutsche Rentensystem basiert auf drei Schichten: der gesetzlichen Basisvorsorge, der staatlich geförderten Vorsorge und der privaten Altersvorsorge.

Wie fördert der Staat die private Altersvorsorge?

In Deutschland gibt es verschiedene staatlich geförderte Produkte für die Altersvorsorge: die Riester-Rente, die Rürup-Rente und die betriebliche Altersvorsorge.

  • Die Riester-Rente

Bei der Riester-Rente fördert der Staat Einzahlungen bis zu 2.100 € im Jahr mit finanziellen Zuschüssen. Die Grundzulage beläuft sich auf bis zu 175 € im Jahr. Dazu kommt eine Kinderzulage in Höhe von bis zu 185 € im Jahr, für Kinder, die ab 2008 geboren wurden, sind es bis zu 300 €. Weiterhin können die geleisteten Beiträge zur Riester-Rente steuerlich geltend gemacht werden. In die Riester-Rente einzahlen können alle Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung sowie der Alterssicherung der Landwirte, Beamtinnen und Beamten, Richterinnen und Richter sowie Soldatinnen und Soldaten. Besonders davon profitieren können Familien mit Kindern und Arbeitnehmende mit niedrigem Einkommen. Nachteil ist, dass die ausgezahlte Rente voll versteuert wird, allerdings ist der Steuersatz nach Renteneintritt niedriger als bei Erwerbstätigen. 

  • Die Rürup-Rente (Basisrente) 

Die Rürup-Rente wurde nach ihrem Initiator Bernd Rürup benannt und wird im Volksmund oftmals auch als Basisrente bezeichnet. Sie ist für Selbstständige und Unternehmer relevant, die keiner Pflichtversicherung angehören. Der Staat fördert Sie bei der Rürup-Rente, indem die Beiträge bis zur Höhe von 24.305 € als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden können. Die steuerlichen Vorteile betreffen jedoch nur die Ansparphase, das heisst in der Auszahlungsphase müssen die Leistungen voll versteuert werden. Für eine optimierte Vorsorge können zusätzlich auch Erwerbs- und Berufsunfähigkeit im Rahmen der Rürup-Rente abgesichert werden.

Grundsätzlich stehen Ihnen folgende Varianten der Rürup-Rente zur Verfügung:

  • Basisrente mit und ohne Hinterbliebenenschutz
  • Fondsgebundene Basisrente
  • Basisrente als Sofortrente

Ob sich eine Rürup-Rente für Sie lohnt, hängt davon ab, wie alt Sie werden. Grund dafür ist die Tatsache, dass ab 2040 keine steuerliche Absetzbarkeit mehr möglich ist. Das heisst, ab 2040 zahlen Sie auf die Rentenbezüge 100% Steuern.

Wie fördert der Staat die betriebliche Altersvorsorge?

Auch bei der betrieblichen Altersvorsorge fördert der deutsche Staat die Sparenden in Form von Steuerbegünstigungen während der Ansparphase. Das hat sowohl für Arbeitnehmende als auch Arbeitgeber Vorteile:

  • Der Arbeitnehmer kann in der Ansparphase ein Polster für den Ruhestand ansparen und profitiert dabei von Begünstigungen bei den Steuern und Sozialabgaben.
  • Ab 2021 beträgt der steuerfreie Höchstbetrag in der kapitalgedeckten betrieblichen Altersversorgung 6.816 € (= 85.200 € x 8%; maximaler Förderrahmen nach § 3 Nr. 63 EStG).
  • Der Arbeitgeber muss weniger Sozialabgaben abführen und kann mit der betrieblichen Altersvorsorge für sich bei Fachkräften werben.

Der beitragsfreie Höchstbetrag steigt auf 3.408 € (= 85.200 € x 4 %; § 1 Abs. 1 Nr. 9 SvEV). Das bedeutet, maximal dieser Betrag kann sozialabgabenfrei behandelt werden.

Warum ist die private Altersvorsorge besonders für Frauen wichtig?

Es gibt einige Gründe, warum insbesondere für Frauen eine private Altersvorsorge sehr wichtig ist: 

  • Frauen arbeiten öfter in Teilzeit und durchschnittlich lediglich 36 Jahre. Zum Vergleich: Männer arbeiten im Durchschnitt 41 Jahre und zahlen somit deutlich mehr in die gesetzliche und/oder betriebliche Altersvorsorge ein.
  • Statistisch gesehen leben Frauen länger als Männer. Das bedeutet, Frauen sollten sich für einen längeren Zeitraum im Alter absichern.
  • Das Lohnniveau ist bei Frauen immer noch niedriger als bei Männern. Damit fallen auch die durchschnittlichen Einzahlungen in die gesetzliche und betriebliche Altersvorsorge geringer aus als bei Männern.

Welche Vorteile hat eine private Rentenversicherung?

Ziel der privaten Rentenversicherung ist es, Ihre Rentenlücke im Alter bestmöglich zu schließen. Eine der größten Herausforderungen dabei ist die Ungewissheit über Ihr Sterbealter. Sie hoffen bestimmt, dass Sie gesund bleiben und ein hohes Alter erreichen. Aber aus finanzieller Sicht bedeutet das, dass die Ersparnisse aus der Altersvorsorge länger reichen müssen. Dieses sogenannte Langlebigkeitsrisiko wird durch die private Rentenversicherung abgesichert. Das ist einer der Hauptvorteile von privaten Rentenversicherungen, da diese in der Regel eine lebenslange Rente zusichern. 

Außerdem bieten private Rentenversicherungen Ihnen hohe Sicherheit, da bei Abschluss garantierte Leistungen definiert werden können, die dann im Rentenalter von der Versicherung erbracht werden müssen. Damit haben Sie eine solide Rechengrundlage für Ihre Vorsorge. 

Je nach Vereinbarung und Versicherung können Sie sich zusätzlichen finanziellen Schutz vor den Folgen von Invalidität und Erwerbsunfähigkeit sichern. Darüber hinaus kann die Versorgung Ihrer Angehörigen durch Todesfallleistungen geregelt werden, sollten Sie vorzeitig versterben. 

Welche Rentenversicherung ist für Sie die richtige?

Haben Sie einmal beschlossen, eine Rentenversicherung abzuschließen, steht Ihnen eine breit gefächerte Auswahl an Versicherungsprodukten zur Verfügung. Sie haben nun die Wahl zwischen verschiedenen Rentenversicherungen und sollten deshalb wissen, wie sich diese unterscheiden. 

Grundsätzlich kann zwischen der klassischen und der fondsgebundenen Rentenversicherung unterschieden werden. Beide funktionieren nach demselben Grundprinzip: Sie leisten monatliche Einzahlungen in einen Sparplan und erhalten diese in Form einer Rente nach der vertraglich vereinbarten Laufzeit ausbezahlt.

Massgebender Unterschied der beiden Versicherungsformen ist deren Verzinsung. Bei der klassischen Rentenversicherung wird ein Garantiezins, also ein festgelegter Zinssatz, vereinbart. Bei der fondsgebundenen Rentenversicherung hingegen profitieren Sie von den Renditechancen am Kapitalmarkt. Das heisst, Sie haben eine höhere Chance auf mehr Rendite, gehen aber gleichzeitig gegebenenfalls ein Risiko ein.

Welche Rentenversicherung für Sie die richtige ist, hängt folglich davon ab, welche Erwartungen an die Rendite Sie haben und wie risikobereit Sie sind. Sie sollten abwägen, ob Sie lieber auf Nummer sicher gehen möchten und eine klassische Rentenversicherung wählen oder ob Sie ein gewisses Risiko eingehen möchten und dadurch möglicherweise auch einmal Marktschwankungen aussitzen müssen. Ein wichtiger Faktor hierbei ist Ihr Alter. Bei fortgeschrittenem Alter empfiehlt es sich in der Regel, auf sicherere Anlageprodukte zu setzen. Sind Sie jedoch noch jung und verfolgen einen langen Anlagehorizont, sind Sie mit einer fondsgebundenen Rentenversicherung besser bedient.

Welche Kennzeichen hat eine gute fondsgebundene Rentenversicherung? 

  1. Beitragsgarantie

Investitionen sind immer mit Risiken verbunden. Durch die Beitragsgarantie soll jedoch versichert werden, dass mindestens die Beträge, die Sie eingezahlt haben, Ihnen bei Renteneintritt dann auch wirklich zur Verfügung stehen. Dadurch wird verhindert, dass starke Kursschwankungen Ihnen Verluste verursachen.

Beispiel

Eine 23-jährige Frau spart 100 € monatlich in eine fondsgebundene Rentenversicherung ein. Mit 67 Jahren soll die Rentenzahlung beginnen. Zu diesem Zeitpunkt wird garantiert, dass mindestens die eingezahlten Beiträge, also 12 x 100 € x 44 Jahre =52.800 €, zum Rentenbeginn zur Verfügung stehen. Unabhängig von der Entwicklung der Investmentfonds.

2. Möglichkeiten zur Individualisierung für mehr Flexibilität

Auch bei der Altersvorsorge sollten die individuellen Bedürfnisse beachtet werden. Schließlich sind wir alle Individuen mit verschiedenen Anforderungen. Deshalb ist es wichtig, dass der Anbieter Ihrer Altersvorsorge-Produkte Ihnen Flexibilität hinsichtlich verschiedener relevanter Faktoren ermöglicht. Beispiele hierfür könnten sein:

  • Ihr individueller Rentenbeginn
  • Flexible Beitragsgestaltung
  • Individuelle Rentengarantiezeit

3. Ablaufmanagement 

Das Ablaufmanagement bedeutet, dass zum Ende der Ansparphase das Fondsguthaben in sicherere Fonds verlagert wird. Damit wird der planmäßige schrittweise Ausstieg aus risikoreichen Fonds in Fonds mit geringeren Kursschwankungen umgesetzt. Die Absicht dahinter ist das systematische Umschichten (Shiften) des Kapitals, damit erreichte Gewinne abgesichert werden.

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Quellen

  1. https://www.lohn-info.de/altersversorgung.html#:~:text=Die%20Beitragsbemessungsgrenze%20in%20der%20gesetzlichen,F%C3%B6rderrahmen%20nach%20%C2%A7%203%20Nr.