Das Rentensystem – Wie funktioniert es und vor welche Herausforderungen stellt es uns?

Das Rentensystem – Wie funktioniert es und vor welche Herausforderungen stellt es uns?
23. August 2021
Das Wichtigste im Überblick
  • Das Deutsche Rentensystem basiert auf drei Säulen.

  • Die drei Säulen sind die gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge.

  • Das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern ist ungünstig.

  • Das Rentensystem braucht eine Reform.

Status Quo im deutschen Rentensystem

Über die Rente wird häufig in der Politik diskutiert. Gerade im Zuge des demografischen Wandels heißt es oft, dass die gesetzliche Rente in Zukunft nicht ausreichen könnte. Doch wie begründen sich solche Aussagen? Dafür lohnt sich zunächst ein Blick auf das deutsche Rentensystem.

Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick über das Rentensystem – wie es funktioniert, welche Vorteile es gibt und wo es Defizite aufweist. Außerdem erhalten Sie Tipps, was Sie für Ihre Altersvorsorge tun können.

Wie funktioniert das Rentensystem in Deutschland?

Die 1. Säule: Die gesetzliche Rente

Die 2. Säule: Die betriebliche Altersvorsorge

Die 3. Säule: Die private Altersvorsorge

Das Deutsche Rentensystem basiert auf 3 Schichten.
Das Deutsche Rentensystem basiert auf 3 Schichten.
Was genau ist eine Rente?

Unter dem Begriff Rente ist in der Regel eine wiederkehrende Zahlung zu verstehen, die monatlich gezahlt wird, nachdem Sie aus dem Arbeitsleben ausscheiden oder nicht mehr arbeiten können.

Die 1. Säule: Die gesetzliche Rente

Den Kern der Altersvorsorge stellt in Deutschland die gesetzliche Rentenversicherung dar. Die gesetzliche Rente wird in der Regel von den Arbeitnehmern finanziert. Vom Bruttolohn wird ein bestimmter Beitrag abgezogen und an die Krankenkasse des Versicherten übermittelt. Die Krankenkasse wiederum reicht die Beiträge dann an die Deutsche Rentenversicherung weiter. Der Arbeitgeber muss zusätzlich die gleiche Summe leisten und als Beitrag für jeden Arbeitnehmer abführen.

So funktioniert die gesetzlichen Rente

Wichtig zu wissen ist, dass die gesetzliche Rentenversicherung ein Umlageverfahren ist. Das bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, dass die derzeit arbeitenden Versicherten Beiträge einzahlen. Diese werden dann eins zu eins an die aktuellen Rentner ausbezahlt. Gehen diese – aktuell arbeitenden – Versicherten in der Zukunft dann in Ruhestand, so soll die nächste Generation von Beitragszahlern für die Rente dieser aufkommen. Dies wird auch als sogenannter Generationenvertrag bezeichnet.

Die 2. Säule: Die betriebliche Altersvorsorge

Neben der gesetzlichen Rente gibt es die Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Hier können Sie sich merken, dass es zahlreiche Varianten der bAV gibt. Im Allgemeinen handelt es sich dabei um finanzielle Leistungen, die ein Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer bereitstellt.

Gut zu wissen

In Deutschland wird per Gesetz jedem Arbeitnehmer ein Rechtsanspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge gewährt (vgl. § 1a BetrAVG). Dieser Anspruch kann in der Umwandlung des Gehaltes zur Verwendung für die bAV bestehen. Dies kann für den Arbeitnehmer Steuervorteile und weniger Beiträge für die Sozialversicherung bedeuten.

Weitere Infos welche Möglichkeiten Sie bei der betrieblichen Altersvorsorge haben, finden Sie hier.

Die 3. Säule: Die private Altersvorsorge

Unter dem Begriff private Altersvorsorge werden verschiedene Formen der Altersvorsorge verstanden. Sie kann als Ergänzung zu den anderen beiden Säulen des Rentensystems dienen.

Beispiele für Formen der privaten Altersvorsorge sind:

  • Sparpläne (z.B. Aktienfonds)
  • Lebensversicherungen
  • Fondsgebundene Rentenversicherungen 
  • Klassische Rentenversicherung
  • Rürup-Rente
  • Riester-Rente
  • Sofort-Rente 

Die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Rentensystem in Deutschland

  • Die durchschnittliche Rentenzahlung betrug im Jahr 2017:
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Alles, was Sie zum Thema Altersarmut wissen müssen, finden Sie in diesem Artikel.

  • Der Beitrag zur Rentenversicherung beträgt aktuell 18,6 % des Bruttolohns (Stand: 2019). 

In den Jahren 1997 und 1998 verzeichneten die Rentenversicherungsbeiträge Höchstwerte von 20,3 %. Seit Mitte der 1970er Jahre liegt der Beitragssatz bei 18 % oder mehr. 

  • Die Anzahl der Renten befindet sich auf einem Rekordstand: 25,66 Millionen (im Jahr 2017).

Diese Zahl zeigt, dass immer mehr Menschen in Deutschland Renten beziehen. Die demografische Entwicklung spricht ebenfalls dafür: In Deutschland leben immer mehr ältere Menschen. Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung steigt. Fakt ist aber: Diese Renten müssen auch finanziert werden. Zu welchen Problemen das künftig führen kann, erfahren Sie im weiteren Verlauf des Artikels.

  • Das gesetzliche Sicherungsniveau (auch Rentenniveau genannt) der gesetzlichen Rente beträgt für das Jahr 2019 etwa 48,3 % und soll gemäß Prognose weiter sinken.

Nach Angaben des Rentenlexikons des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ist das Rentenniveau das prozentuale Verhältnis der Nettorente eines Standardrentners (also ein Rentner mit 45 Beitragsjahren mit durchschnittlichem Einkommen) gegenüber dem jeweils aktuellen Nettogehalt eines Durchschnittsverdieners oder einer Durchschnittsverdienerin.

Die gesetzliche Rente – Wieviel erhalte ich im Alter? Wieviel zahle ich ein?

Die Rente, die Sie im Alter erhalten, ist abhängig von mehreren Faktoren. Diese sind unter anderem das zukünftige Rentenniveau, die Wirtschaftslage, die Höhe der Löhne und die Anzahl der Beitragszahler. Weil diese Faktoren schwanken, passt die Bundesregierung den Beitragssatz zur Rentenversicherung an. Daher kann der Beitragssatz mal kleiner und mal größer sein.

Während Ihrer aktiven Zeit als Arbeitnehmer sammeln Sie sogenannte Rentenpunkte, sobald Sie Beiträge für die Rentenversicherung zahlen. Dies passiert automatisch, sobald Sie Lohn oder Gehalt beziehen. Denn Ihr Arbeitgeber ist zur Abführung der Beiträge an die Rentenkasse verpflichtet. Je mehr Rentenpunkte ein Arbeitnehmer sammelt, desto höher wird tendenziell seine zukünftige Rente ausfallen. 

Die Deutsche Rentenversicherung versendet in regelmäßigen Abständen Informationsschreiben an die Beitragszahler. In diesem Schreiben wird Ihnen angezeigt, wie hoch Ihre zukünftige Rente sein kann. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass es sich um Prognosewerte handelt. Wichtige Informationen rund um das Thema Renteninformation finden Sie hier.

Die Vorteile des deutschen Rentensystems

Nachfolgend haben wir einige Vorteile des deutschen Rentensystems zusammengetragen:

  • Kein Wertverlust bei Inflation (da das Geld der Rentenkasse nicht langfristig angelegt wird)
  • Bei genug Beitragszahlern ein dauerhaft funktionierendes Prinzip
  • Leistungen auch für Angehörige (zum Beispiel Witwenrente)

Die Nachteile des deutschen Rentensystems

  • Rentenzahlungen können sinken, wenn das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern ungünstig ausfällt. Genauer gesagt: wenn die Zahl der Rentner steigt, aber die Beitragszahler weniger werden.
  • Die eingezahlten Beiträge werden nicht für den Beitragszahler selbst angelegt und erwirtschaften somit keine Kapitalerträge. 
  • Bestimmte Personengruppen sind von der gesetzlichen Rente ausgenommen beziehungsweise müssen nicht verpflichtend in diese einzahlen. So zum Beispiel Beamte oder Selbstständige. In diesem Punkt unterscheidet sich das deutsche Rentensystem zu anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich oder der Schweiz. In Österreich fallen die Renten zum Teil höher aus, obwohl ebenfalls das Prinzip des Umlageverfahren gilt. Hier müssen jedoch unter anderem auch Selbstständige einzahlen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Rente und Altersvorsoge? 

Wie Sie bereits erfahren haben, gibt es im deutschen Rentensystem einen gesetzlichen und einen freiwilligen Part. Sind Sie nämlich Arbeitnehmer, so werden Sie kaum um die Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung herumkommen. Die 2. und 3. Säule, nämlich die betriebliche und die private Altersvorsorge, passieren jedoch nicht ohne Ihr Zutun. Das heißt, um sich in diesen Bereichen eine zusätzliche Rente aufzubauen, müssen Sie aktiv werden.

Im Hinblick auf die aktuelle demografische Entwicklung, bei der es immer mehr ältere Personen (Rentner) und weniger junge (Beitragszahler) gibt, besteht das Risiko, dass Ihre Rente in Zukunft gering ausfällt. Im schlimmsten Fall reicht sie nicht zur Deckung aller Kosten, sodass ein Risiko für Altersarmut entsteht. Für eine solide Altersvorsorge empfiehlt es sich, dass Sie bei allen drei Säulen gut aufgestellt sind. Auf diese Weise kann die Rente nach dem Renteneintrittsalter auch entsprechend gut ausfallen.

Was Sie konkret für Ihre Altersvorsorge tun können, zeigt Ihnen dieser Artikel.

Rente in Deutschland – Wie sieht die Zukunft aus? 

Für die gesetzliche Rente ist es aufgrund des Umlageverfahrens wichtig, dass ausreichend Beitragszahler vorhanden sind. Zeitgleich sollte sich die Zahl der Rentenbezieher in Grenzen halten.

In Deutschland gibt es einen recht großen Anteil von Menschen zwischen 46 bis 66 Jahren. Diese Generation wird als die sogenannten „Babyboomer“ beschrieben – also sehr geburtenstarke Jahrgänge. Diese Personengruppe wird in den kommenden 20 Jahren das Renteneintrittsalter erreichen. Somit ist damit zu rechnen, dass die Zahl der zukünftigen Rentner stark ansteigen wird. Dem gegenüber ist die Zahl der zukünftigen Beitragszahler in einem deutlich geringeren Verhältnis. Dies kann dazu führen, dass das Rentenniveau in Zukunft sinkt oder die Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung deutlich steigen. Mögliche Folgen sind geringe Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Rente und drohende Altersarmut.

Reicht die Rente aus der Deutschen Rentenversicherung zukünftig aus? 

Wie Sie sehen, stehen wir in Deutschland vor der Herausforderung, dass die gesetzliche Rente (die 1. Säule) in Zukunft möglicherweise nicht ausreicht, um alle Kosten im Alter zu decken. Durch den Generationenvertrag und das Umlageverfahren ist es essentiell wichtig, dass genug Beitragszahler vorhanden sind. So kann ein gewisses Rentenniveau sichergestellt werden. Ob dies in Zukunft so sein wird, darf bezweifelt werden. Ohne Rentenreform kann daher das Risiko von Altersarmut in Zukunft steigen. Umso wichtiger werden somit die 2. und 3. Säule im Rentensystem. Selbst vorzusorgen, auch in der Niedrigzinsphase, kann daher sehr wichtig sein. 

Grundsätzlich sollten Sie sich dessen bewusst sein, dass es aufgrund der oben genannten Entwicklungen zunehmend wichtig ist, dass Sie hinsichtlich Ihrer Altersvorsorge selbst aktiv werden. Sie können zum Beispiel einen Fondssparplan nutzen. Weitere Möglichkeiten der Altersvorsorge haben wir hier für Sie zusammengestellt.

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