Wie nutzen Sie den Zinseszinseffekt für Ihre Altersvorsorge?

Wie nutzen Sie den Zinseszinseffekt für Ihre Altersvorsorge?
25. Oktober 2021
Das Wichtigste im Überblick
  • Der Zinseszins ist ein Zins auf den Zins – Ihr Erspartes wächst schneller an

  • Der Zinseszins kann anhand einer Formel berechnet werden

  • Für den Zinseszins braucht es einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont

  • Der Zinseszinseffekt macht die Inflation für Sie noch spürbarer

Finanzielle Freiheit im Alter durch den Zinseszinseffekt

Früh an die eigene Altersvorsorge zu denken ist gut. Haben Sie dabei mal über den Zinseszinseffekt nachgedacht? Und welche Auswirkungen dieser auf Ihre Altersvorsorge haben kann? Unser Artikel liefert Ihnen genau hierzu viele interessante Informationen zum Zinseszinseffekt und wie dieser Ihren Vermögensaufbau unterstützt.

Hätten Sie gedacht, dass sich allein durch den Zinseszinseffekt Ihr Erspartes nach einigen Jahren vervielfachen kann? Wie zum Beispiel aus 10.000 Euro Vermögen über 60.000 Euro werden. Das klingt erstmal gewaltig. In diesem Artikel erklären wir, wie so etwas möglich ist.

Was ist der Zinseszins?

Zunächst gilt es zu verstehen, was genau der Zinseszins ist. Wie im Begriff schon enthalten, handelt es sich bei diesem um einen Zins auf einen Zins. Genauer gesagt: Es handelt sich um den Zins, auf den bereits gutgeschriebenen Zins aus einer vorherigen Anlageperiode. Genau diese Vergrößerung des angelegten Kapitals durch eine Zinsgutschrift führt also zum Zinseszins.

Beispiel

Ein Sparbuch wird mit 10 % pro Jahr verzinst. Es werden 1.000 Euro angelegt. Nach einem Jahr erhält der Sparer 100 Euro Zinsen. Die erhaltenen Zinsen werden nun mit angelegt. Im darauffolgenden Jahr erhält der Sparer nun 110 Euro an Zinsen (1.100 Euro * 10 %). 

Da die Zinsen aus dem Vorjahr mit angelegt wurden, erhält der Sparer nämlich 10 % Zinsen auf das ursprüngliche Kapital von 1.000 Euro plus 10 % Zins auf die Zinsen des Vorjahres (hier hatte der Sparer 100 Euro bekommen). Somit sind die zusätzlichen 10 Euro an Zinsertrag der sogenannte Zinseszins.

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Unterschiede zwischen Zins und Zinseszins

Das vorangegangene Beispiel macht die Unterschiede zwischen dem „einfachen“ Zins und dem Zinseszins deutlich. Beim Zins verhält es sich so, dass dieser – in der Regel – für einen gleichbleibenden Betrag gezahlt wird. Werden also die erhaltenen Zinsen während der Laufzeit einer Geldanlage nicht mit angelegt, erhält der Sparer bei gleichbleibendem Zinssatz immer denselben Betrag. Im oben aufgeführten Beispiel wären das immer 100 Euro Zinsen pro Jahr, auch in den darauffolgenden Jahren. Die Steigerung der Zinszahlung um 10 Euro im zweiten Jahr gäbe es nicht, da der Zinseszins nicht zum Tragen kommt.

Für die Entstehung des Zinseszinses werden also die erhaltenen Zinsen einer Periode immer für die folgende Anlageperiode mit angelegt und verzinst. Da so die Geldanlage durch die wieder angelegten Zinsen steigt, hat dies dann zur Folge, dass auch der Zinsertrag jedes Jahr höher ausfällt. Für den Sparer ist das also ein sehr erfreulicher Nebeneffekt.

Der Zinseszins grafisch erklärt
Der Zinseszins grafisch erklärt
Berechnung & Formel
Wie wird der Zinseszins berechnet?

Der Zinseszins lässt sich mit folgender Formel mathematisch berechnen:

Endvermögen = Anfangsbestand * (1 + Zinssatz/100) potenziert mit der Anzahl der Jahre

Um das Endvermögen (Endkapital), also das zu Beginn angelegte Kapital plus die erhaltenen Zinserträge, während der Laufzeit zu erhalten, wird der Anfangsbestand (Anfangskapital) als Basis genommen. Daneben wird der Zinssatz durch 100 geteilt und mit 1 addiert sowie danach mit der Anzahl der Jahre potenziert („hoch x“). Das Ergebnis wird dann mit dem Anfangsbestand multipliziert und das Resultat ist das Endvermögen inklusive der Zinseszinsen.

Beispiel

Das Anfangskapital beträgt 10.000 Euro, die Verzinsung 10 %. Der Zeitraum beträgt 20 Jahre.

Die Rechnung und das Endkapital würden dann wie folgt aussehen:

10.000 Euro * (1+10/100)^20 = 67.275 Euro

Ohne Zinseszins würde die Formel wie folgt lauten:

Endvermögen = Anfangsbestand + (Anfangsbestand * Zins/100) * Laufzeit

Um das Endvermögen ohne Zinseszins zu berechnen wird der Anfangsbestand mit dem Zinssatz multipliziert und das Ergebnis mit der Laufzeit multipliziert. Dieses Ergebnis wiederum wird mit dem Anfangsbestand addiert und man erhält das Endvermögen inklusive der erhaltenen Zinsen.

Rechenbeispiel:

10.000 Euro + (10.000 Euro * 10/100) * 20 = 30.000 Euro

Sie sehen also, dass in diesem Beispiel der Unterschied zwischen einer Geldanlage mit Zinseszins und einer mit einfachem Zins insgesamt 37.275 Euro beträgt. 

Durch den Zinseszinseffekt hat sich hier das Anfangsvermögen also mehr als versechsfacht und ist mehr als doppelt so stark angewachsen wie die Geldanlage ohne Zinseszins. Mit anderen Worten konnte mit Zinseszinseffekt eine Gesamtrendite von knapp 573 % erzielt werden. Ohne Zinseszinseffekt läge die Gesamtrendite bei rund 200 %.

Tipp

Um Zinseszins zu erzielen eignen sich unter anderem auch Ausschüttungen bzw. Dividenden aus einem Fonds. Wenn zum Beispiel ein Aktienfonds jährliche Erträge an Sie ausschüttet, können Sie diese ebenso wieder anlegen und dadurch den Zinseszinseffekt für sich nutzen. So wie zum Beispiel auch in einem Sparplan.

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Was sind die Vor- und Nachteile beim Zinseszins?  

  • Das angesparte Vermögen kann sich durch den Zinseszins deutlich schneller vergrößern als bei Geldanlagen ohne Zinseszins.
  • Langfristiger Vermögensaufbau wird durch den Zinseszins einfacher.
  • Werden erhaltene Zinsen oder Dividenden wieder mit angelegt, entfällt die Suche nach einer neuen Geldanlage für die Verwendung dieser Erträge.

Nach einiger Zeit beginnt der Zinseszins seine Wirkung zu entfalten und das Kapital vermehrt sich exponentiell. Durch diesen Effekt übertrifft eine Geldanlage mit Zinseszins eine Anlage mit einfachem Zins deutlich.

Nachteile

  • Bis der Zinseszins wirklich spürbar anwächst, benötigt es Geduld. Der Anlagezeitraum sollte also entsprechend mehrere Jahre betragen, denn die Kurve beim Zinseszins verläuft exponentiell.
  • Bei einer niedrig verzinsten Geldanlage kann der Zinseszins kaum zum Tragen kommen. Das kann zum Beispiel bei einem Tagesgeld der Fall sein. Je niedriger der Zinssatz ist, desto länger dauert es bis der Zinseszinseffekt seine Wirkung entfaltet.
  • Der Zinseszins kann auch in entgegengesetzter Richtung wirken. Wer also Schulden hat, bei dem kann sich die Schuldenlast durch den Zinseszins über Jahre deutlich erhöhen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Konto längere Zeit „im Dispo“ ist (also bei einem Dispokredit, der nicht ausgeglichen wird). Auch bei der Inflation kann dieser Effekt zum Tragen kommen. Mehr zum Thema Inflation finden Sie im nächsten Abschnitt.

Wir wirkt sich der Zinseszinseffekt auf den Vermögensaufbau aus?

Wie Sie erfahren haben, kann sich der Zinseszins enorm auf Geldanlagen mit einer langen Laufzeit auswirken. In unserem Rechenbeispiel hat sich das Anfangskapital mehr als versechsfacht. Das wäre ohne Zinseszins nicht möglich gewesen. 

Bei der Altersvorsorge wird in der Regel langfristig Geld angelegt. Somit eignet sich die eigene Altersvorsorge hervorragend, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Wenn Sie eine Geldanlage nutzen, bei der die Zinsen oder jährlichen Erträge wieder angelegt werden, haben Sie die Voraussetzung geschaffen, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Und das ohne großen Mehraufwand.

Die Inflation beim Vermögensaufbau

Bei Inflation entsteht durch steigende Preise eine Geldentwertung. Wichtig zu wissen ist dabei, dass der Zinseszinseffekt auch bei der Inflation auftreten kann. Das kann dazu führen, dass die Inflation eine exponentielle Geldentwertung im Laufe mehrere Jahre zur Folge hat. Das heißt, vereinfacht ausgedrückt, dass die Geldentwertung über die Jahre viel höher ausfällt als Sie das zunächst erwarten würden. Um den realen Wert Ihres Vermögens also zu erhalten oder zu steigern, muss die Verzinsung ebenfalls exponentiell mit Zinseszinseffekt erfolgen.

Wie können Sie mit dem Zinseszinseffekt für das Alter Vermögen aufbauen?   

Um bei deiner Altersvorsorge mit Hilfe des Zinseszinseffektes Vermögen aufzubauen, besteht der erste Schritt darin, sich für die geeigneten Anlageprodukte zu entscheiden. Dies können zum Beispiel sein:

  • Lebensversicherung
  • Fondssparpläne, zum Beispiel mit Aktien 
  • Riester-Produkte
  • Rürup-Produkte

Wichtig ist dabei, dass Sie den Zeithorizont miteinbeziehen. In unserem Beispiel konnten Sie sehen, dass der Zinseszins große Effekte in einem Zeitraum von 20 Jahren erzielen konnte. Je länger der Zeitraum ist, desto größer kann der Zinseszinseffekt ausfallen. Frühzeitig starten lautet also das Motto.

Daher empfiehlt es sich, einen Zeithorizont von mindestens 15 und mehr Jahren für Ihre Altersvorsorge zu wählen.

Dadurch haben Sie sehr gute Chancen deutlich vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Und es zeigt, dass es Sinn machen kann, wenn Sie sich zusätzlich zu Ihrer Rentenversicherung frühzeitig aktiv um Ihre Altersvorsorge kümmern. Bei einer langfristigen Anlage haben Sie zudem den Vorteil, dass Sie beispielsweise Schwankungen am Aktienmarkt ausgleichen können bzw. diese nicht so stark ins Gewicht fallen.

Wenn Sie verschiedene Formen der Geldanlagen zur Altersvorsorge nutzen, achten Sie darauf, jeweils auch vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Beim Investment in Fonds kommt der Effekt dann zum Tragen, wenn es sich um thesaurierende Fonds handelt (ausgeschüttete Fondserträge werden direkt im gleichen Fond neu angelegt). Vermögensaufbau in verschiedenen anderen Anlageformen ist ebenfalls sehr sinnvoll, da so das eigene Geld und somit auch das Risiko breiter gestreut werden können. 

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Wie Sie in diesem Artikel erfahren konnten, kann der Zinseszinseffekt einen großen Einfluss auf langfristige Geldanlagen haben. Das kann auch auf die Altersvorsorge eine beträchtliche und stark positive Wirkung haben. Wir haben dargestellt, dass es Geduld und einen langfristigen Anlagehorizont erfordert, damit der Zinseszinseffekt seine volle Wirkung entfalten kann. Wird dies möglich, hat er einen großen Anteil daran, Ihr eingesetztes Vermögen zu vervielfachen.

Gerade in einer lang anhaltenden Niedrigzinsphase kann der Zinseszinseffekt enorm wichtig sein, um auf lange Sicht eine positive Rendite erzielen zu können. Wie Sie erfahren konnten, wirkt der Zinseszinseffekt nämlich auch bei der Inflation. Daher können Sie die Inflation auf lange Sicht nur schlagen, wenn Ihr Vermögen ebenfalls vom Zinseszins profitiert. Je früher die aktive Vorsorge fürs Alter startet, umso stärker kann der Zinseszinseffekt wirken. 

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